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Delfine im Dienst der US-Navy

Über das Meeressäugerprogramm der USA sind wesentlich mehr Fakten bekannt als über das der ehem. UdSSR. Das Programm begann im Jahr 1960. Beeindruckt von den Schwimmfähigkeiten und dem Sonar der Delfine wollte die US-Navy die hydrodynamischen Eigenschaften der Tiere studieren, um dadurch Anhaltspunkte für Formverbesserungen bei Torpedos zu erhalten. Zu diesem Zweck erwarb die Navy einen weiblichen Pazifischen Weißseitendelphin von einem Ozeanarium in Los Angeles. Nachdem 1963 eine kleine Forschungsanlage an einer Lagune bei Point Mugu (Kaliforniern) errichtet worden war, wurden die Untersuchungen mit weiteren Delfinen fortgesetzt. Neben den Forschungsprojekten wurden die Delfine darauf trainiert, Gegenstände im Wasser aufzuspüren und zu transportieren. Bald zeigte sich, dass die Delfine Minen oder mit Schallimpulsgebern versehene Gegenstände wesentlich schneller als die Marinetaucher finden konnten.

Der erste wirkliche Einsatz von Delfinen fand im August 1965 im Rahmen des Unternehmens Sealab II statt. Sealab II war eine kleine Unterwasserbasis in 60 Metern Tiefe vor der kalifornischen Küste, in der Menschen längere Zeit unter Wasser lebten. Ein Großer Tümmler der US-Navy namens Tuffy hatte die Aufgabe, Werkzeuge und Nachrichten zwischen der Wasseroberfläche und der Unterwasserbasis hin- und zurück zu transportieren. Kein menschlicher Taucher wäre in der Lage gewesen, so schnell hintereinander Tauchgänge durchzuführen wie der Delfin, ohne der Bedrohung durch die Taucherkrankheit zu entgehen. Die Navy zeigte sich von den Ergebnissen beeindruckt.

Bald darauf trainierte sie mehrere Dutzend Große Tümmler, einige Fleckendelphine, Schwertwale und Belugas, aber auch Ohrenrobben und Seelöwen in drei Zentren: auf Key West (Florida), in San Diego (Kalifornien) und in Kaneohe Bay (Hawaii).
In den späten 60er Jahren änderten sich unter dem Eindruck des Vietnam-Krieges die Ziele des Meeressäugerprogrammes. Die Forschung über die Schwimmfähigkeiten und das Sonar der Delfine wurde eingestellt und man konzentrierte sich darauf, Delfine als lebende Waffen einzusetzen. Sie wurden darauf trainiert, feindliche Taucher aufzuspüren und die Wachen zu alarmieren. James Fitzgerald, ehemaliger Präsident der Kildare Corporation beschreibt dies wie folgt: „Wir trainierten sie darauf, dem Taucher entweder das Mundstück seines Lungenautomaten aus dem Mund zu reißen oder ihn an die Oberfläche zu schieben. Dann würde der Delfin eine Signalkelle, die an einer Boje hängt, berühren und dadurch ein Alarmsignal auslösen. Der Delfin war dem Mann immer überlegen.“

1971 wurde ein Delfin-Team für 15 Monate in die Bucht von Cam Ranh in Vietnam verlegt, in der die US-Flotte vor Anker lag, um Kampfschwimmern beim Minenräumen zu helfen. Sie hatten die Aufgabe, im trüben Wasser der Bucht Minen zu orten und zu markierten. Andere Berichte sprechen davon, dass die Delfine auch in der gerade beschriebenen Weise nachts als Wachen eingesetzt wurden. Diese Berichte blieben allerdings von Seiten der Navy unbestätigt.

Der nächste offiziell bestätigte Einsatz begann für die Delfine am 14. Oktober 1987 im Rahmen des Golfkrieges. Sechs Große Tümmler wurden zusammen mit 25 Mann Personal zum Persischen Golf geflogen, um dort die US-Schiffe zu unterstützen, welche kuwaitischen Öltankern Geleitschutz bei ihrer Fahrt durch die verminten Gewässern gaben. Die Details des Unternehmens unterliegen der Geheimhaltung, doch es ist bekannt, dass der Einsatz der Delfine kein großer Erfolg war.
Ein weiterer Einsatz Großer Tümmler fand während des Zweiten Golfkrieges im Jahr 1991 statt.

Neben diesen weitgehend gesicherten Erkenntnissen existieren seit Beginn der 70er Jahre Gerüchte darüber, dass Delfine auch für direkte offensive Einsätze ausgebildet wurden. Es gibt Berichte darüber, dass Delfine Haftminen an Kais und Piers des Feindes anbringen konnten oder darauf dressiert wurden, feindliche Taucher durch die Injektion von Kohlensäure zu töten. Dazu wurde angeblich auf dem Schnabel der Tiere eine lange Injektionsnadel befestigt, welche mit einer Kohlensäurepatrone verbunden war. Die Navy bestreitet solche Berichte und stichhaltige Beweise sind nie aufgetaucht. Trotzdem können diese Berichte zutreffend sein. Delfine „wissen“ nicht, was sie tun und es ist leicht, sie darauf zu trainieren, mit ihrem Schnabel Menschen zu stoßen.

Ein anderes Projekt der Navy jedenfalls wurde unter starken juristischem und öffentlichem Druck vorerst aufgegeben. Im Oktober 1989 klagte eine Koalition von 15 Tierschutzorganisationen gegen einen Plan der Marine, die Trident-Atom-U-Boot-Basis Bangor im Bundessaat Washington von Großen Tümmlern bewachen zu lassen. Sie berief sich auf das Marine Mammal Proteciton Act (MMPA) von 1972 und verwies darauf, dass die Tiere im Kriegsfalle von Gegnern getötet würden und es außerdem unverantwortlich sei, die Delfine, welche aus dem Golf von Mexiko stammten, in die viel kälteren Gewässer vor Bangor zu verlegen. Obwohl die Unterwasserkäfige für 16 Große Tümmler bereits gebaut waren, gab die Navy den Plan im Juli 1990 vorerst auf.

Das Meeressäugerprogramm stand schon seit einiger Zeit in der Kritik. Seit dem Inkrafttreten des MMPA 1972 musste die Navy jedesmal, wenn sie weitere Delfine fangen wollte, einen detaillierten Antrag einreichen, der öffentlicher Prüfung unterlag. Mit dem Defense Authoriszation Act von 1987 gelang es ihr allerdings durchzusetzen, das sie jährlich bis zu 25 Tiere „für Zwecke der nationalen Verteidigung“ ohne öffentliche Kontrolle fangen durfte, was öffentliche Proteste hervorrief. Weitere Kritik entstand Ende 1988, als der Meeressäugertrainer Richard Trout der Öffentlichkeit von Misshandlungen der Tiere berichtete, welche er während seiner Tätigkeit in San Diego beobachtet haben wollte. Die Navy bestritt die Behauptungen, aber eine Untersuchung der Marine Mammal Commission (staatliche Kommission für Meeressäuger) kam zu dem Schluss, dass Delfine zwar nicht systematisch misshandelt wurden, dennoch aber einige Probleme existierten. Die Behauptungen Trouts konnten weder belegt, noch widerlegt werden.

Zu Beginn der neunziger Jahre, nach dem Zusammenbruch der UdSSR, zweifelte man zunehmend an der Zuverlässigkeit der „Militär-Delfine“. Delfine verweigerten Befehle oder führten sie nicht vorschriftsmäßig aus. 1992 wird das US-Meeressäuger-Programm stark eingeschränkt und dies, obwohl noch zwischen 1985 und 1989 28,7 Millionen US-Doller in meeresbiologische Programme geflossen waren.
Dennoch wurden Delfine von der US-Navy weiterhin auch bei internationalen Manövern eingesetzt. 1998 nahmen Delfine an einem Manöver vor der Küste Litauens teil. Ein weiterer Einsatz von Delfinen fand im Rahmen des Nato-Manövers Blue Game vom 08. - 22. Mai 2000 in der Ostsee statt. Vier Große Tümmler waren aus San Diego eingeflogen worden und nahmen vom Marinehafen in Eckernförde aus am Manöver teil. Nach Auskunft der NATO wurden sie dazu eingesetzt, Objekte auf dem Grund des Meeres zu suchen und zu markieren, damit sie später von Tauchern untersucht werden konnten.
Der bisher letzte mir bekannte Einsatz von "Kampfdelfinen" fand im Rahmen des Irak-Krieges statt.

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