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USA, Sommer 1987

Das Jahr 1987 wird vielen Menschen an der Ostküste der USA noch lange Zeit im Gedächtnis bleiben. Irgendwann im Sommer wurden einige tote Große Tümmler an die Strände gespült. Sie waren furchtbar zugerichtet. „Den angetriebenen Delfinen fiel die Haut in Fetzen vom Körper, sie waren mit Geschwüren und wunden Stellen bedeckt“ (Brian Gorman, Regierungssprecher der USA)
Manche sahen aus, als hätte man sie in Säure getaucht. Kurz darauf wurden Millionen verendeter Fische an der Küste von Long Island Sound angeschwemmt. Außerdem wurden vierzehn Buckelwale gesichtet, die tot in der Bucht von Cape Code trieben. Auch weitere Große Tümmler wurden an den Küsten angespült. Innerhalb weniger Monate fand man 700 tote oder sterbende Große Tümmler an den Stränden. Sobald sich abzeichnete, dass es sich um ein Massensterben handelte, begann die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) der US-Regierung mit einer umfangreichen Untersuchung, welche die Ursachen des Massensterbens feststellen sollte.

Gut eineinhalb Jahre später, am 1. Februar 1989 wurde das Ergebnis der Untersuchung von der NOAA bekanntgegeben. Nach ihren Erkenntnissen starben die Delfine, weil sie Fisch gefressen hatten, der durch ein Gift, das während einer Rotalgenblüte entsteht, verseucht gewesen war. Bei einer Rotalgenblüte vermehrt sich ein Teil des pflanzlichen Plankton, die Dinoflagellaten, wegen günstiger Bedingungen extrem stark. Unter den Dinoflagellaten befindet sich eine Art, die den Giftstoff „Brevitoxin“ bildet. Dieses Gift wird von den Fischen zusammen mit dem Plankton aufgenommen und sammelt sich in ihren Körpern. Das Brevitoxin, so die NOAA, hatte die Delfine entweder direkt getötet oder das Immunsystem so weit geschwächt, das die Delfine an Sekundärkrankheiten starben.

Diese offizielle Theorie besaß allerdings einige wesentliche Schwachpunkte, welche bald darauf zu heftigen Kontroversen zwischen der Untersuchungskommission, unabhängigen Experten und Fachleuten von Umweltschutzorganisationen führten. Zwar gab es zur fraglichen Zeit in der Tat eine Rotalgenblüte im Golf von Mexiko. Diese sind allerdings relativ häufig und hatten bis 1987 noch nie solch ein Massensterben ausgelöst. Außerdem konnte das Gift Brevitoxin nur in acht von 17 untersuchten Tieren nachgewiesen werden. Die bei den Tieren festgestellten Wunden deuteten viel eher auf eine PCB-Vergiftung hin. Die PCB-Werte im Blubber der Delfine lagen zwischen 13 und 620 mg/kg, in einem Extremfall sogar bei 6800 mg/kg. Zum Vergleich sei darauf hingewiesen, dass in den USA alle Stoffe als Sondermüll gelten und in Spezialbehältern transportiert werden müssen, wenn sie eine höhere Konzentration als 5 mg PCB pro Kilogramm aufweisen. Außerdem wurden Dioxin, Dibenzofuran und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in Körpern der Tieren nachgewiesen. Diese wurden allerdings keiner genaueren Analyse unterzogen, da die Regierungskommission Meeresverschmutzung durch den Menschen als Todesursache systematisch ignoriert hatte. Aufgrund dieser Tatsache ließ sich deshalb auch nicht abschließend feststellen, welche Substanz schließlich zum Tod der Tiere geführt hatte. Allerdings liegt die Vermutung sehr nahe, dass die Meeresverschmutzung durch den Menschen zumindest einen wesentlichen Anteil an dieser Massenstrandung hatte.

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