Die Gefahren der Treibnetze
Eine Fischfangmethode, die nicht nur für Meeressäugetiere,
sondern auch für Seevögel, Schildkröten, Haie und andere Fischarten
sehr gefährlich ist, ist der Einsatz von Treibnetzen.
Ein Treibnetz ist ein mehrere Kilometer langes (bis zu 60 Kilometern)
und 50-150 Meter hohes Netz. Es wird von Bojen an der Wasseroberfläge gehalten
und unter der Wasseroberfläche am anderen Ende des Netztes durch Gewichte
gespannt gehalten. Nach dem Aussetzen treibt das Netz den Meeresströmungen
folgend durch das Meer. Jedes Tier, welches versucht, durch das Netz zu schwimmen,
verfängt sich in aller Regel in den feinen Nylonmaschen. Nach einiger Zeit
wird das Netz wieder eingeholt.
Treibnetze werden zum in der Dritten Welt eingesetzt, da sie eine
billige Fangmethode sind und nicht viel Aufwand und Wissen erfordern. Hierbei
werden relativ kurze Treibnetze eingesetzt. Es gibt aber auch noch ein anderes
Einsatzgebiet. Auf hoher See werden von Schiffen bis zu 60 Kilometer lange Netze
ausgesetzt, welche lange Zeit durch das Meer treiben, ehe sie wieder eingeholt
werden. Große Treibnetze werden beispielsweise von Japan beim Fang von
Tintenfischen eingesetzt; kleinere Netze im Mittelmeer von verschiedenen Nationen.
Einige Beispiele verdeutlichen besonders die hohen Schäden,
die Treibnetze in der matitimen Fauna anrichten:
Anfang 1989 wurde bei einem Probeeinsatz von Treibnetzen für den Fang Echer
Bonitos (eine Thunfischart?) im Südpazifik im Durchschnitt viereinhalb
Meeressäuger je ausgesetztem Netz getötet – auf 10 gefangene Thune
ein Meeressäuger. 1988 berichtete ein Team der Naturschutzorganisation
Earthtrust über die Treibnetzfischerei im Nordpazifik. Sie stellten fest,
dass die Beifänge beim Tintenfischfang die Menge an gefangenem Tintenfisch
bei weitem überstieg. Außerdem ging ein erheblicher Teil der Tintenfische
verloren, da er beim Einholen der Netze aus den Maschen rutschte. „Man nennt
es Tintenfischfang, aber die Wahrheit ist, dass sich so gut wie alles, was in
die Nähe des Netzes kommt, verfängt und umkommt.“ (Earthtrust)
Geisternetze
Eine weitere, vielleicht noch größere Gefahr geht von den sogenannten
Geisternetzen aus. Dies sind Treibnetze oder Netzabschnitte, welche
bei Fangoperationen aus irgendwelchen Gründen verlorengehen. Sie treiben
durch das Meer und fangen alle Lebewesen, die ihren Weg kreuzen. Irgendwann
haben sich so viele Tiere im Netz verfangen, dass es zu schwer wird und auf
den Grund sinkt. Dort werden die Tierleichen zersetzt. Das Netz aber, welches
aus synthetischen Fasern wie Nylon besteht, wird kaum beschädigt und steigt
wieder auf, um weitere Tiere zu fangen. Schätzungen gehen davon aus, dass
jedes Jahr alleine im Nordpazifik tausend Kilometer Treibnetze verlorengehen
und damit zu neuen Geisternetzen werden.
Welche Verwüstungen diese Fangmethode insgesamt anrichtet,
ist kaum zu kontrollieren, da „Beifänge“ nicht systematisch gemeldet werden
und Schäden durch Geisternetze nur geschätzt werden können.
Wegen dieser Zerstörungen der maritimen Fauna haben bereits viele Ländern
den Einsatz von Großtreibnetzen in ihrer 200-Meilen Wirtschaftszone verboten.
Aber auf See, außerhalb des Einflusses der einzelnen Nationalstaaten,
wird aber weiter mit den riesigen Treibnetzen gefischt.
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