Gefährdung durch den Thunfischfang
Delfine sind nicht nur das Opfer direkter Verfolgung durch den
Menschen. Wesentlich mehr Tiere sterben bei verschiedenen Fischfangaktivitäten
des Menschen. Sie verfangen sich in den Netzen und sterben häufig, obwohl
eigentlich nur bestimmte Fischarten gefangen werden sollen.
Ein besonders deutliches Beispiel ist der Thunfischfang mit "modernen"
Ringwadennetzen.
Im tropischen Ostpazifik tritt ein Phänomen auf, welches
bis heute nicht erklärt werden kann: Schwärme von großen Gelbflossenthunfischen
schwimmen auf ihren Wanderungen oft dicht unter Delfinschulen. Seitdem dies
in den 1920er Jahren bekannt wurde, zogen Fischer mehrere Jahrzehnte lang daraus
ihren Nutzen, ohne den Delfinen zu schaden.
Die Fischer hielten nach Delfinschulen Ausschau. Sobald eine
Delfinschule gesichtet wurde, warfen sie Köderfische ins Wasser, welche
die Thunfische gierig fraßen und sie in einen Fressrausch versetzten.
Die Thunfische bissen auf alles, was sich bewegte, einschließlich der
Fischharken, die ohne Köder an Leinen im Wasser hingen. Die Delfine wiederum
konnten aufgrund ihres Echolots die Metallhaken wahrnehmen und fraßen
nur die Köder. Von dieser Fangmethode profitierten sowohl Mensch, als auch
Delfin.
Am Ende der 50er Jahre änderte sich die Situation allerdings
grundlegend. Aufgrund der Entwicklung einer Winde, welche große Ringwadennetze
rasch und glatt einholen konnte, wurden die Thunfische nicht mehr einzeln an
Bord gezogen, sondern man konnte mit einem langen Netz die ganze Delfinschule
und damit die Thunfische umschließen. Die kleinen Fangboote der Fischer
wurden schnell durch die sogenannten Superseiner verdrängt, da diese aufgrund
der neuen Fangmethode wesentlich höhere Fangzahlen und damit höhere
Gewinne erzielten. Diese großen bis zu 80 Meter langen Schiffe können
bis zu sechs Monaten auf See bleiben. Sie verfügen in der Regel über
einen eigenen Beobachtungshubschrauber, der die Delfine aufspürt und Schnellboote,
welche die Delfinschulen einkreisen und die Netze ausbringen. Von einer einzigen
Fangfahrt bringen die Superseiner bis zu 1200 Tonnen gefrorenen Gelbflossenthunfisch
zurück.
Jedes Ausbringen des Netzes folgt etwa folgendem Muster:
Nachdem entweder vom Mutterschiff oder einem Beobachtungshubschrauber
aus eine Delfinschule gesichtet wurde, werden die Schnellboote zu Wasser gelassen.
Das Netz, welches bis zu 1400 Meter lang ist und 130 Meter in die Tiefe reichen
kann, wird, nachdem die Delfinschule eingeschlossen ist, unten verschossen.
Es bildete sich eine Art Halbkugel, in der Delfine und Thunfische gefangen
sind. Beim anschließenden Einholen des Netzes stirbt ein Teil der gefangenen
Delfine. Sie verfangen sich im Netz und ersticken, werden vom Gewicht der Thunfische
erdrückt oder von der Winde beim Einholen des Netzes zerquetscht. Viele
Tiere reißen sich beim Versuch freizukommen Flipper oder Schnabel ab und
werden blutüberströmt ins Meer zurückgeworfen, wo nicht selten
Haie die verletzen Tiere fressen.
Zu Beginn dieser Fischereimethode, also Anfang der 60er Jahre,
war diese Methode so profitabel und außerdem nicht reglementiert, dass
es sich immer lohnte, Delfinschulen einzukreisen und zu fangen, selbst wenn
dabei gelegentlich hunderte Delfine getötet wurden, ohne einen einzigen
Thunfisch zu fangen. Erst 1969 wurde der Öffentlichkeit die enorm hohen
Todesraten beim Fang mit Ringwaden bekannt. Ein amerikanischer Fischereiwissenschaftler
namens William Perrin, der 1966 bei der US-Thunfangflotte angemustert hatte,
um für seine Dissertation das Verhalten von Delfinen zu studieren, enthüllte
1969, dass die Fischer manchmal beim Fang eines einzigen Thunschwarms bis zu
1000 Delfine umbrachten. Das Earth Island Institute errechnete
auf der Basis von Regierungsdokumenten, dass zwischen 1959 und 1986 im Tropischen
Ostpazifik über sechs Millionen Delfine dem Thunfischfang zum Opfer fielen.
Vom Thunfischfang besonders stark betroffen sind die Subtropischen Fleckendelphine
(Stenella attenuata) und die Östlichen Spinnerdelphine (Stenella longirostris).
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