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Die Delfintherapie -
Delfine als Lehrer und Therapeuten

Die Idee, Tiere zur Unterstützung bei der Behandlung von Geistes-Krankheiten wie Autismus, Down Syndrom oder Hydrocephalie einzusetzen, geht auf die Arbeit des New Yorker Psychaters Dr. Boris Levinson zurück. Er stellte in den 60er Jahren fest, dass sich der Kontakt zu den Patienten und deren Konzentration wesentlich verbesserte, wenn während der Therapie ein Haustier wie Hund oder Katze eingesetzt wurde. Inzwischen ist die Behandlung von Krankheiten mit Hilfe von Tieren unter der Bezeichnung Tier- oder Zootherapie ein anerkannter Zweig der Heilkunde.
Gegen Ende der 70er Jahre entstand die Vermutung, Delfine besäßen eine außergewöhnlich heilsame Wirkung auf neurologisch geschädigte Menschen. Um dies zu untersuchen, leitete die Anthropologin und Erziehungswissenschaftlerin Dr. Betsy Smith von Dezember 1978 bis August 1979 ein Forschungsprogramm im Womteco Miami Seaquarium. Hierfür hatte sie sieben autistische Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis siebzehn Jahren ausgewählt. Bei der Auswahl wurde darauf geachtet, das die betreffenden Patienten keine Angst vor dem Wasser oder großen Tieren hatten.

Auhismus führt zu einer psychischen Isolierung des Betroffenen, er zieht sich aus der Welt zurück und vermeidet jeglichen Kontakt. Diese Isolierung ist meistens mit schweren Sprachstörungen verbunden. Smith hoffte, mit Hilfe der Delfine die Kinder dazu zu bewegen, sich zumindest ein wenig der Welt wieder zu öffnen. Am Ende des sechswöchigen Progamms konnte Betsy Smith feststellen, dass die Konzentrationsdauer von 5 bis 10 Minuten auf bis zu einer Stunde gestiegen war und die Kinder anscheinend glücklicher als zuvor waren. Sie hatte den Eindruck, „einen positiven Zugang zur Stillen Innenwelt der Kinder gefunden zu haben.“

Eine ähnliche Pilotstudie führte der Universitätsprofessor und praktizierende Psychologe Dr. David E. Nathanson in Oceanworld in Fort Lauderdale (Florida / USA) von 1978 bis 1980 mit Kindern durch, die am Down Syndrom litten. Während dieser Studie sollte untersucht werden, ob der Kontakt mit Delfinen einen positiven Effekt auf die Leistungsfähigkeit der Kinder haben würde. Die Ergebnisse waren mit denen von Smith vergleichbar: Natherson stellte fest, dass sich die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder wesentlich verlängerte und damit der Lernerfolg stieg.
Natherson setzte seine Untersuchungen 1988 mit einer sechsmonatigen Studie am Dolphin Research Center auf Grassy Key / Florida fort. 1993 folgte eine weitere Studie. Inzwischen war die Dolphin Human Therapy von Dr. Natherson so bekannt und erfolgreich, dass gegen Ende des Jahres 1994 ein Vollzeitprogramm eingerichtet wurde. Nach mehreren Umzügen arbeitet die Dolphin Human Therapy seit 1998 in Dolphin Cove, Key Largo, Florida.

Grundlage des Therapiekonzepts von Natherson ist, dass der Kontakt mit den Delfinen als eine Art Belohnung für die Mitarbeit der Patienten eingesetzt wird. „Sie [die Kinder] konzentrieren sich auf das, was sie tun sollen, um die Belohnung einzuheimsen.“ „Es ist ein ganz einfaches Programm zur Verhaltensänderung. Aber es funktioniert wunderbar, wenn die Belohung für die Kinder bedeutsam genug ist. Und das ist für die Kinder die Interaktion mit den Delfinen in diesem wunderbaren warmen Wasser. All das trägt dazu bei, daß die Kinder sich entspannen. Sie konzentrieren sich besser, sie lernen schneller.“

Im Laufe der Zeit stellte sich heraus, dass mit diesem Ansatz einige bemerkenswerte Erfolge erzielt werden konnten. In heutiger Zeit werden Menschen mit verschiedenen Erkrankungen und Behinderungen behandelt. Die Delfine helfen Menschen mit schweren Depressionen, einen Ausweg zu finden oder schwer lerngestörte Menschen steigern ihre Fähigkeit zum Sprechen und Lesen. Körperlich behinderte Personen gewinnen größere Beweglichkeit und Krebspatienten bauen im Kontakt mit Delfinen Stress ab.
Wunder allerdings, wie die Heilung von bisher unheilbaren Krankheiten oder Behinderungen dürfen allerdings nicht erwartet werden. Die Delfintherapie muss vielmehr als Ergänzung anderer Therapieformen gesehen werden.

Weltweit gibt es inzwischen mehrere Einrichtungen, die Delfintherapien anbieten. Mir bekannt sind folgende Orte: Dolphin Cove in Key Largo / Florida; Dolphins Plus in Key Largo / Florida; Dolphin Research Center (DRC) in Grassy Key / Florida; Dolphin Reef Eilat in Eilat / Israel. Allerdings sind die Therapieplätze sehr begrenzt und die Kosten für eine Therapie werden von den deutschen Krankenkassen nicht übernommen, da es bis heute nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen über die Effektivität und Wirkung der Delfintherapie gibt. Die Kosten für das Therapieprogramm sind aber sehr hoch. Hinzu kommen Kosten für Hin- und Rückflug sowie Unterbringungskosten für die begleitenden Personen, meistens die Familie des Patienten.

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