Delfinarien kontrovers - Argumente für und gegen die Gefangenschaftshaltung
Über das Thema Delfinarien werden schon seit langer Zeit immer wieder
Debatten geführt. Bis heute ist keine endgültige und allgemein
akzeptierte Antwort auf die Frage, ob der Mensch Delfine in Delfinarien
halten darf, gefunden worden.
Folgende Argumente werden häufig von den Delfinariumsbefürwortern
genannt:
- Schaffung von Ersatzlebensräumen für gefährdete Arten
- Die Lebensbedingungen in den Delfinarien sind besser als in freier Natur
- Erfahrungen, die mit Krankheiten und Verletzungen von in Gefangenschaft
gehaltenen Delfinen gemacht wurden, können auch freilebenden Tieren
helfen, z. B. bei Strandungen
- Besonders physiologische Fragestellungen, wie die Funktion des Echolots
der Delfine, Atmung, etc. können an gefangenen Tieren wesentlich einfacher
erforscht werden als im Meer
- Information des Publikums und Schaffung eines öffentlichen Bewusstseins
für die Gefährdung der Delfine
- eine Delfintherapie lässt sich kaum mit wild lebenden Delfinen durchführen
Gegner der Delfinarien führen folgende Argumente an:
- Delfine, besonders aber der Schwertwal, besitzen in Gefangenschaft eine
geringere Lebenserwartung als in der Natur
- Der Fang von Delfinen im Meer für Delfinarien bedeutet für
die betroffenen Delfine und die Schulen, aus denen sie herausgefangen werden,
großen Stress
- Die Aufzucht von Jungtieren ist in Delfinarien noch immer häufig
mit Todesfällen verbunden
- Delfine in Gefangenschaft leiden häufig unter Stress, hervorgerufen
durch Lärm, häufige Vorstellungen und Rangkämpfen unter den
Delfinen
- Das Sozialverhalten gefangener Tiere weicht teilweise stark vom natürlichen
Verhalten ab
- Der Mensch darf keine Tiere, besonders solche mit komplexen Sozialbindungen
und hoher Intelligenz, wie Delfine, in Gefangenschaft halten
Bewertung der Argumente
Bei einer Abwägung der einzelnen Argumente stellt sich schnell heraus, dass diese keinesfalls
gleichwertig sind.
Das Argument, Ersatzlebensräume für bedrohte Arten zu schaffen, lässt sich schnell
entkräften. Zum einen ist die mit großem Abstand am häufigsten in Delfinarien gehaltene
Delfinart der Große Tümmler, welcher in der Natur als nicht bedroht gilt. Der Bajii
hingegen, der kurz vor dem Aussterben steht, überlebt
kaum in Gefangenschaft und erst recht gelingt es nicht, ihn in Gefangenschaft zu
vermehren. Außerdem ist auch die Auswilderung von in Gefangenschaft gehaltenen
Delfinen schwierig. Dies zeigt beispielsweise der Versuch, den Schwertwal Keiko,
welcher im Film "Free Willy" mitgespielt hat, wieder an ein Leben in Freiheit zu gewöhnen.
Die Behauptung, die Lebensbedingungen in Gefangenschaft seien besser als in der Natur
halte ich für ein sehr zynisches Argument: erst fischt der Mensch die Meere leer und
vergiftet sie um anschließend behaupten zu können, Delfinen ginge es in Gefangenschaft
besser.
Das dritte und vierte Argument ist schwer zu bewerten. Zum einen ist es zutreffend, dass
Erfahrungen bei der Behandlung kranker Tiere auch in Freiheit lebenden Artgenossen
unter Umständen nutzen kann, auf der anderen Seite ist es höchst fraglich, ob für die
Gewinnung solcher Erkenntnisse die heute bestehende Zahl von Delfinarien notwendig
ist. Das gleiche gilt für das vierte Argument. Hier kommt hinzu, dass an in Gefangenschaft
lebenden Tieren gewonnene Daten nicht immer ohne Probleme auf eine wildlebende
Population extrapoliert werden können.
Die meiner Meinung nach einzigen schwerwiegenden Argumente für eine Gefangenschaftshaltung
ist die Informationsvermittlung und die Schaffung eines Problembewußtseins
in der Öffentlichkeit und die Möglichkeit, Delfine zu Therapiezwecken
einzusetzen
Allerdings kann man den Argumenten der Delfinariumsgegner ebenfalls nicht kritiklos
zustimmen.
Die Lebenserwartung der in Gefangenschaft gehalteten Tiere hat sich aufgrund
steigenden Wissens und Verbesserungen in den Delfinarien in den
letzen Jahrzehnten wesentlich erhöht. Deshalb wird dieses Argument
im Laufe der Zeit immer schwächer werden.
Die nächsten beiden Argumente sind eng miteinander verknüpft.
Da inzwischen ein immer größerer Teil der in Gefangenschaft
geborenen Jungtiere das Erwachsenenalter erreicht, ist es immer
seltener notwendig, Tiere aus dem Meer zu fangen. Der Stress, dem
die Tiere in Delfinarien ausgesetzt sind, ist ein ernsthaftes Problem.
Ihm läßt sich nur durch große Delfinarien mit genügend
Rückzugsmöglichkeiten und wenigen Vorstellungen am Tag
begegnen. Wenn dieser Ansatz verfolgt wird, gehen auch die Aggressionen
der Tiere untereinander zurück und es bildet sich ein Sozialverhalten
aus, welches eher dem Verhalten in freier Natur entspricht.
Das letzte genannte Argument schließlich ist ein ethisches
Argument, das sich nicht argumentativ widerlegen lässt. Dabei
muss aber berücksichtigt werden, dass der Mensch auch andere
Tiere wie z. B. Affen und Elefanten in Gefangenschaft hält,
die ebenfalls als sehr intelligent gelten und komplexe Sozialbeziehungen
unterhalten.
An dieser Stelle verzichte ich bewusst auf eine persönliche
Stellungnahme, da ich der Ansicht bin, dass jeder für sich
entscheiden muss, ob er Delfinarien letzendlich ablehnt oder sie
beführwortet.
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