Delfinarien
 
Geschichte der Delfinarien
  Geschichte
frühere Probleme
 
 
allgemeine Infos
  Allgemeines
heutige Probleme
gesetzl. Bestimmungen
 
 
Delfinarien in Deutschland
  Standorte (Karte)
Delfinarium Duisburg
Delfinarium Münster
Delfinarium Nürnberg
Delfinarium Soltau
 
 
Dressur eines Delfins
 
Delfinarien pro und kontra
 
zur Startseite
 
 
   
 
Hauptbanner
Delfine in Kino u. TV
--------------

Delfinarien kontrovers  -
Argumente für und gegen die Gefangenschaftshaltung

Über das Thema Delfinarien werden schon seit langer Zeit immer wieder Debatten geführt. Bis heute ist keine endgültige und allgemein akzeptierte Antwort auf die Frage, ob der Mensch Delfine in Delfinarien halten darf, gefunden worden.

Folgende Argumente werden häufig von den Delfinariumsbefürwortern genannt:

  1. Schaffung von Ersatzlebensräumen für gefährdete Arten
  2. Die Lebensbedingungen in den Delfinarien sind besser als in freier Natur
  3. Erfahrungen, die mit Krankheiten und Verletzungen von in Gefangenschaft gehaltenen Delfinen gemacht wurden, können auch freilebenden Tieren helfen, z. B. bei Strandungen
  4. Besonders physiologische Fragestellungen, wie die Funktion des Echolots der Delfine, Atmung, etc. können an gefangenen Tieren wesentlich einfacher erforscht werden als im Meer
  5. Information des Publikums und Schaffung eines öffentlichen Bewusstseins für die Gefährdung der Delfine
  6. eine Delfintherapie lässt sich kaum mit wild lebenden Delfinen durchführen

Gegner der Delfinarien führen folgende Argumente an:

  1. Delfine, besonders aber der Schwertwal, besitzen in Gefangenschaft eine geringere Lebenserwartung als in der Natur
  2. Der Fang von Delfinen im Meer für Delfinarien bedeutet für die betroffenen Delfine und die Schulen, aus denen sie herausgefangen werden, großen Stress
  3. Die Aufzucht von Jungtieren ist in Delfinarien noch immer häufig mit Todesfällen verbunden
  4. Delfine in Gefangenschaft leiden häufig unter Stress, hervorgerufen durch Lärm, häufige Vorstellungen und Rangkämpfen unter den Delfinen
  5. Das Sozialverhalten gefangener Tiere weicht teilweise stark vom natürlichen Verhalten ab
  6. Der Mensch darf keine Tiere, besonders solche mit komplexen Sozialbindungen und hoher Intelligenz, wie Delfine, in Gefangenschaft halten

Bewertung der Argumente

Bei einer Abwägung der einzelnen Argumente stellt sich schnell heraus, dass diese keinesfalls gleichwertig sind.

Das Argument, Ersatzlebensräume für bedrohte Arten zu schaffen, lässt sich schnell entkräften. Zum einen ist die mit großem Abstand am häufigsten in Delfinarien gehaltene Delfinart der Große Tümmler, welcher in der Natur als nicht bedroht gilt. Der Bajii hingegen, der kurz vor dem Aussterben steht, überlebt kaum in Gefangenschaft und erst recht gelingt es nicht, ihn in Gefangenschaft zu vermehren. Außerdem ist auch die Auswilderung von in Gefangenschaft gehaltenen Delfinen schwierig. Dies zeigt beispielsweise der Versuch, den Schwertwal Keiko, welcher im Film "Free Willy" mitgespielt hat, wieder an ein Leben in Freiheit zu gewöhnen.
Die Behauptung, die Lebensbedingungen in Gefangenschaft seien besser als in der Natur halte ich für ein sehr zynisches Argument: erst fischt der Mensch die Meere leer und vergiftet sie um anschließend behaupten zu können, Delfinen ginge es in Gefangenschaft besser.
Das dritte und vierte Argument ist schwer zu bewerten. Zum einen ist es zutreffend, dass Erfahrungen bei der Behandlung kranker Tiere auch in Freiheit lebenden Artgenossen unter Umständen nutzen kann, auf der anderen Seite ist es höchst fraglich, ob für die Gewinnung solcher Erkenntnisse die heute bestehende Zahl von Delfinarien notwendig ist.
Das gleiche gilt für das vierte Argument. Hier kommt hinzu, dass an in Gefangenschaft lebenden Tieren gewonnene Daten nicht immer ohne Probleme auf eine wildlebende Population extrapoliert werden können.
Die meiner Meinung nach einzigen schwerwiegenden Argumente für eine Gefangenschaftshaltung ist die Informationsvermittlung und die Schaffung eines Problembewußtseins in der Öffentlichkeit und die Möglichkeit, Delfine zu Therapiezwecken einzusetzen

Allerdings kann man den Argumenten der Delfinariumsgegner ebenfalls nicht kritiklos zustimmen.

Die Lebenserwartung der in Gefangenschaft gehalteten Tiere hat sich aufgrund steigenden Wissens und Verbesserungen in den Delfinarien in den letzen Jahrzehnten wesentlich erhöht. Deshalb wird dieses Argument im Laufe der Zeit immer schwächer werden.
Die nächsten beiden Argumente sind eng miteinander verknüpft. Da inzwischen ein immer größerer Teil der in Gefangenschaft geborenen Jungtiere das Erwachsenenalter erreicht, ist es immer seltener notwendig, Tiere aus dem Meer zu fangen. Der Stress, dem die Tiere in Delfinarien ausgesetzt sind, ist ein ernsthaftes Problem. Ihm läßt sich nur durch große Delfinarien mit genügend Rückzugsmöglichkeiten und wenigen Vorstellungen am Tag begegnen. Wenn dieser Ansatz verfolgt wird, gehen auch die Aggressionen der Tiere untereinander zurück und es bildet sich ein Sozialverhalten aus, welches eher dem Verhalten in freier Natur entspricht.
Das letzte genannte Argument schließlich ist ein ethisches Argument, das sich nicht argumentativ widerlegen lässt. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass der Mensch auch andere Tiere wie z. B. Affen und Elefanten in Gefangenschaft hält, die ebenfalls als sehr intelligent gelten und komplexe Sozialbeziehungen unterhalten.

An dieser Stelle verzichte ich bewusst auf eine persönliche Stellungnahme, da ich der Ansicht bin, dass jeder für sich entscheiden muss, ob er Delfinarien letzendlich ablehnt oder sie beführwortet.

© 2003 by delfine.net